Arthur Schnitzler – Später Ruhm

Kategorie: Deutschsprachige Klassiker

Begeisterung nennt sich die Gruppe junger Wiener Künstler, die sich Ende des 19. Jahrhunderts regelmäßig in einem Wiener Kaffeehaus trifft. Doch trotz aller Begeisterung der Künstler für ihr jeweiliges Metier (Schauspielerei, Gesang, Dichtung,…) mag den Mitgliedern der Gruppe der Durchbruch nicht gelingen. Eines Tages fällt ihnen der Gedichtband „Wanderungen“ von Eduard Saxberger in die Hände. Sie sind begeistert und beschließen den inzwischen sehr alten, in Wien lebenden, Saxberger zu besuchen. Sie wollen den Altmeister als Gast in ihre Gruppe einzuladen. Saxberger, der der Schriftstellerei seit Jahrzehnten abgeschworen hat und einen gewöhnlichen Bürojob ausübt, ist über den Besuch sehr erfreut. Er kommt fortan regelmäßig zu den Treffen und genießt die Anerkennung bzw. den Respekt der jungen Leute. Als jedoch ein Veranstaltungsabend angesetzt wird, bei dem die Künstler eine Kostprobe ihres Könnens geben sollen, stellt Saxberger fest, dass er nicht mehr dichten kann und die vielen Jahre als Beamter seine Kreativität zerstört haben. Er trägt schließlich ein altes Gedicht vor. Sein Auftritt und alle anderen Auftritte des Abends werden in der Presse verrissen. Die jungen Künstler sind enttäuscht. Saxberger macht eine Entdeckung über die jungen Künstler und seinen Gedichtband, die seine Sicht auf die Welt für immer verändert.

Die Sprache dieser Novelle ist sehr bildhaft und anschaulich, aber trotzdem nicht zu kitschig oder zu weitschweifend. Die Gedankenwelt des alten Saxberger wird sehr glaubhaft geschildert und die beschriebenen Themen sind von zeitloser Bedeutung. Dem jungen, damals noch weitgehend unbekannten, Arthur Schnitzler gelingt es sehr gut, das Problem der Entscheidung zwischen einem bürgerlichen, eventuell langweiligen aber gesicherten Leben und einem abwechslungsreichen Leben als Künstler zu verdeutlichen. Die menschlichen Eigenheiten der einzelnen Protagonisten werden sehr kunstvoll und mit feiner Ironie herausgearbeitet. Diese Novelle ist sowohl sprachlich als auch inhaltlich sehr gut gelungen.

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