Leo Tolstoi – Herr und Knecht

Kategorie: Russische Klassiker

Brechunow ist ein erfolgreicher Geschäftsmann: er kann sich gut darstellen, hervorragend verhandeln und aus jeder Angelegenheit finanziellen Profit schlagen. Im tiefsten russischen Winter muss dieser Brechunow nun eines Tages geschäftlich mit dem Pferdeschlitten zu einem anderen Kaufmann fahren. Alle Angestellten sind an diesem Wintertag betrunken, einzig sein treuer Diener Nikita ist noch einigermaßen nüchtern. Nikita macht sich dann mit Brechunow auf den beschwerlichen Weg. Im Schneesturm ist es aber nahezu unmöglich, den Weg durch die gleichförmige russische Landschaft zu finden und daher fahren sie mehrfach im Kreis, bevor sie schließlich in einem Dorf einkehren können.
Nach der kurzen Rast beschließt Brechunow weiterzufahren, obwohl ihn die Dorfbewohner von der Weiterfahrt abraten. Doch Brechunow ist davon überzeugt, auch diese Gefahr meistern zu können, aber er täuscht sich, in der Dunkelheit bleiben die Beiden schließlich im Schnee stecken und müssen ihre Fahrt unterbrechen. Sie sind dazu gezwungen in der bitterkalten Schneelandschaft zu übernachten und sich mit Decken vor dem Erfrieren zu schützen. Brechunow denkt voller Stolz an sein bisheriges Leben und an das Geld, das er angehäuft hat.
Seine Frau und seinen Knecht verachtet er aus tiefstem Herzen, weil sie unfähig sind Geschäfte zu machen. Die Kälte wird immer unerträglicher und der Gedanke ans Überleben in dieser eiskalten Nacht verdrängt alle anderen Gedanken. Sein Knecht Nikita und das arme Pferd liegen zitternd und dem Erfrieren nahe neben ihm und Brechunow fasst einen folgenschweren Entschluss, der sein Bild in der Öffentlichkeit für immer dramatisch verändern wird.

Diese klassische Erzählung ist zu keinem Zeitpunkt langweilig oder schwer zu lesen. Die Sprache ist sehr nüchtern und präzise und die Spannung baut sich sukzessive auf. Der realistische Erzählstil ist außerordentlich gelungen und die Landschaftsbeschreibungen sind ebenso wie die Charakterbeschreibungen hervorragend formuliert. Das Verhalten von Menschen in Extremsituationen wird in dieser Erzählung sehr geschickt und spannend beschrieben. Die Handlung kann auch auf die heutige Zeit übertragen werden, daher hat dieses Buch nichts von seiner Faszination eingebüßt.
Das Ende der Erzählung ist sehr überraschend und eindrucksvoll, deshalb vergebe ich eine Leseempfehlung für diesen Klassiker der russischen Erzählkunst.

Verwandte Beiträge

Nikolai Gogol – Der Mantel

Der Winter ist der größte Feind des kleinen Beamten Akakij Akakijewitsch. Die Kälte in Petersburg dringt dann durch Mark und Bein, wenn man, wie er, keinen guten Mantel hat. Seiner

 
Leo Tolstoi – Der Tod des Iwan Iljitsch

Iwan Iljitsch ist ein beruflich erfolgreicher Mann, aus gutem Hause stammend hat er in der juristischen Verwaltung Russlands schnell Karriere gemacht. Seine Ehe verläuft dagegen eher suboptimal und ist von

 
Leo Tolstoi – Herr und Knecht

Brechunow ist ein erfolgreicher Geschäftsmann: er kann sich gut darstellen, hervorragend verhandeln und aus jeder Angelegenheit finanziellen Profit schlagen. Im tiefsten russischen Winter muss dieser Brechunow nun eines Tages geschäftlich