Mein Urlaub in Garmisch-Partenkirchen

27.8.2019

Am 27.8 geht die Reise los. Von Hannover über Nürnberg und München nach Garmisch-Partenkirchen. Schon frühmorgens ist es in Hannover relativ warm, der Spätsommer gibt nicht nicht auf. Der Zug Richtung Nürnberg fährt pünktlich ab und die Fahrt in die fränkische Metropole verläuft reibungslos. Die Klimanlage im ICE schnurrt wie ein zahmes Kätzchen, niemand gerät ins Schwitzen. Im Bahnhof Nürnberg habe ich etwas Zeit und erkunde das mir unbekannte Terrain. Dem Klischee entsprechend riecht es nach Bratwürsten, die hier verkauft werden. Lebkuchengeruch liegt nicht in der Luft, vermutlich ist es zu heiß für diese würzige Winterspezialität.

Ich steige in die Bahn nach München. Der Zug ist sehr voll, ich ergattere noch einen Sitzplatz neben einem Mann, der gerade mit einem kleinen Jungen spielt. Es handelt sich, wie ich nach einiger Zeit feststelle, um den Sohn eines Bekannten, der eine Reihe davor sitzt. Das Kind turnt während der Fahrt ständig auf dem Schoß meines Sitznachbarn herum. Der gesprächige Junge  versteht es, die Komplexität der Welt zu minimieren. Er nennt mich „Mann“ und jüngere Zeitgenossen „Kind“. Na gut, ich nenne ihn jetzt ja auch „Junge“ oder „Kind“. Das Kind will ständig beschäftigt werden, so wird Deutschlands Geographie kindgerecht erläutert und Flugzeuge bzw. Schiffe aus Papier gefaltet. In einer der seltenen Spielpausen holt mein Sitznachbar tief Luft und fragt mich:“Wie heißt der Herr Mann eigentlich richtig?“ „Thomas“, antworte ich postwendend und bin stolz auf meine Schlagfertigkeit. Allerdings stellt sich bald Ernüchterung ein, meine Anspielung auf den berühmten Schriftsteller verpufft in der klimatisierten ICE-Luft. Der Mitreisende versteht nur Bahnhof und selbiger ist bald erreicht.

Von München fahre ich nach Garmisch-Partenkirchen. Der Zug ist nicht mehr ganz so voll und schnell. Gemütlich rattert die Bahn durch die wunderschöne bayerische Landschaft mit ihren herrlichen Seen. Schließlich komme ich in Garmisch an und die Sonne strahlt mit mir um die Wette.

Ich finde meine Unterkunft ohne Probleme. Hund und Wirtin begrüssen mich lebhaft. Ich beschließe, die Stadt zu erkunden und werde nicht enttäuscht. Die Fußgängerzone ist sehr schön und die Auswahl an Geschäften groß. Rossmann heißt hier Müller und das Einkaufszentrum nennt sich GEP. Ich gehe Richtung Alpspitzbad bzw. Eisstadion, beide Örtlichkeiten sind offensichtlich stark besucht. Ich spaziere weiter zum Hausberg, die Seilbahn fährt hier allerdings nur im Winter. Macht nichts – ich bin eh kein Seilbahn-Freak. Ich genieße das schöne Bergpanomara und die Ruhe. Ich  esse einen Salat beim Italiener und gehe wieder zur Unterkunft zurück. Zufrieden falle ich in den Schlaf.

28.8.2019

Brötchen und Pfefferminztee ergeben eine gute Mischung für das erste Frühstück. Frisch gestärkt soll es auf den Wank gehen. Die auch als Sonnenberg bekannte Erhebung verspricht schon vom Namen her gutes Wetter. Mutig steige ich in die Seilbahn, doch die Bahn wankt schon nach wenigen Metern sanft hin- und her.  Allen anderen scheint das leichte Wanken nichts auszumachen, aber ich bin nicht so mutig und beschließe in der Mittelstation auszusteigen. Hier herrscht Ruhe, die allermeisten fahren bis zur Endstation. Ich erfreue mich an der schönen Aussicht auf Garmisch-Partenkirchen und am guten Wetter. Auf den Holzbänken sitzen einige Touristen und ein Getränkeautomat steht für den Notfall bereit.

Ich wandere bergab zurück zur Talstation. Alle paar Minuten ertönt ein Servus durch die Stille, mir kommen einige, offensichtlich einheimische, Wanderer entgegen, die auf den Wank wandern und oftmals über eine sehr gesunde Gesichtsfarbe verfügen. Ich habe gut reden, schließlich wandere ich nur abwärts, wobei das auch anstrengt, wenn der Weg zu steil ist oder es zu lange bergab geht. Dieser landschaftlich schöne Weg schont allerdings Knie und Kondition. Kuhglocken klingen in den Ohren, die friedlichen Tier grasen gemütlich auf ihren nicht abgezäunten Weiden und bilden
in Kompostion mit der Landschaft ein Bilderbuchpanorama. Der Abstieg geht schnell vonstatten und wieder in Partenkirchen angekommen beschließe ich, mit dem Bus zur Partnachklamm zu fahren.

Die Partnach ist der namensgebende Fluß Partenkirchens. Doch was versteht man unter einer Klamm? Wikipedia weiß auch hier Bescheid. Eine Klamm ist eine enge Schlucht im Gebirge mit überhängenden Felswänden.

Die Partnachklamm ist dadurch charakterisiert, dass man durch die Schlucht wandert und unterhalb des mit Geländern gesicherten Weges der reißende Fluß verläuft. Ein beeindruckendes Naturschauspiel. Mit öffentlichen Verkehrsmittel ist dieses Naturwunder leicht zu erreichen. Ich entrichte meinen Obulus von 4 Euro und das Abenteuer beginnt. Besitzer der Garmisch Kurkarte erhalten diesen Preisnachlass. Außerdem ist es mit der Kurkarte möglich innerhalb von Garmisch-Partenkirchen und zum Eibsee kostenlos Bus zu fahren – eine gute Sache.

Doch zurück zum Glück durch die Partnachklamm zu wandern. Die entgegenkommenden Fußgänger müssen sich vorbeidrängeln, während es seitlich steil abwärts geht und die tosenden Wassermassen sich ihren Weg durch die Schlucht bahnen. Die Sonne kommt hier nur schwer durch, die Felsen sind feucht und es ist relativ kühl – eine Jacke schadet also selbst im Sommer nicht. Kleine, stockfinstere Tunnel säumen den Weg. Die ältere Generation nutzt hier Taschenlampen, während der Nachwuchs auf die Leuchtfunktion des Smartphones vertraut. Rutschige Wege und niedrige Tunnel wechseln sich ab. Deshalb: Jederzeit aufmerksam sein, um Verletzungen zu vermeiden. Nach etwa 10 Minuten erreiche ich das Ende der Klamm. Die Sonne scheint und der Weg wird breiter. An dieser Stelle fließt die Partnach in die Schlucht. Touristen tummeln sich am Ufer oder sitzen auf den zahlreichen Bänken. Die Steine am Flußufer dienen kreativen Menschen als Anregungen für kleine Kunstwerke. Ich ruhe mich kurz aus und gehe anschließend den gleichen Weg zurück. Schön war’s. Genug gewandert für heute, zufrieden begebe ich mich in meine Pension zurück.

29.8.2019

Das Internet lügt nicht, hoffe ich jedenfalls. Für heute ist Regen vorhergesagt, also entscheide ich mich, am Morgen in das Alpspitzbad zu gehen. Ich mache mich auf die Socken und bleibe überraschenderweise trocken. Wolken sind zwar reichlich zu sehen, aber es regnet nicht, der Regenschirm bleibt in der Tasche und leistet der Geldbörse Gesellschaft, denn die muss nicht gezückt werden. Mit der Garmisch Kurkarte darf man das Bad einmal pro Aufenthalt kostenlos besuchen.

Das Bad verfügt über mehrere Kinder- und ein warmes Ruhebecken. Zum Schwimmen eignet sich das Wellenbecken. Stündlich schlagen hier die Wellen hoch und für 10 Minuten kommt ein wenig maritimes Flair in den Süden Bayerns. Mutige Mitbürger haben 2 Wasserrutschen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades zur Auswahl. Ein Dampfbad und ein im Freien gelegener Whirlpool runden das Angebot ab. Allerdings ist für die beiden letztgenannten jeweils 1 Euro zusätzlich fällig. Das große Freibad-Schwimmbecken kostet keine zusätzliche Gebühr. Insgesamt hat es mir im Alpspitzbad sehr gut gefallen.

Ich verlasse das Bad, blicke nach oben, sehe die Sonne und wundere mich. Entgegen aller Wetter-Apps: Die Sonne scheint. Zumindest teilweise, ansonsten dominieren dichte Wolken. Es gibt keine Ausreden mehr. Auch heute steht einer Wanderung nichts im Weg.

Ich fahre mit dem Bus zur Talstation der Alpspitzbahn und wandere von dort in Richtung der alten Bobbahn. Es ist noch gut zu erkennen, wo die Bahn einst verlief und das Gefälle ist beachtlich. Das  leider nur mittwochs geöffnete Bobmuseum macht von außen einen interessanten Eindruck. Immerhin steht vor dem Gebäude steht ein alter Bob, der einen Einblick in die damalige Technik bietet. Ich spaziere auf der noch gut erkennbaren alten Bobbahn. Ich will den legendären Riessersee sehen. Hier fanden im Winter Curlingwettbewerbe statt und der Eishockeyclub SC Riessersee hat auf dem See einstmals seine Heimspiele ausgetragen. Anfang der 80er Jahre war der Club noch Deutscher Meister. Nach mehreren Insolvenzen spielt der beliebte Verein allerdings nur noch in der Oberliga Süd. Der relativ kleine Riessersee besticht durch seine idyllische Lage. Das Wetterstein-Massiv spiegelt sich auf der Wasseroberfläche und bietet so ein fantastisches Fotomotiv. Ich bewundere noch etwas die schöne Umgebung und wandere dann nach Garmisch zurück.

Ich beschließe, trotz der späten Stunde, die Burgruine Werdenfels zu besichtigen. Ich gehe zu Fuß zum Ortsrand, von dort führt ein kurzer, aber steiler Weg zu den Resten der Burg, die dem Werdenfelser Land den Namen gegeben hat. Es ist bereits 19 Uhr und die Dunkelheit naht, sodass ich keinen Menschen treffe. Einige Mauern der einst stolzen Burg sind noch recht gut erhalten und man bekommt einen schönen Eindruck, wie es hier mal ausgesehen hat. Die Aussicht ist für schwindelfreie Menschen hervorragend. Ein kurzer Abstecher zur Burgruine lohnt sich also immer. Ich mache mich auf den Rückweg. In der Pension angekommen, mische ich ein alkoholfreies Bier mit einer Zitronenlimo. Ein Radler, wie man in diesen Gefilden sagt, denn die Alster ist zu weit weg. Gut gestärkt sinke ich in den Schlaf.

Bob SC Riessersee
Bobbahn Garmisch-Partenkirchen
Riessersee
Burgruine Werdenfels

30.8.2019

Heute soll es ganz nach oben auf die Zugspitze gehen. Gemütlich sitze ich im zünftigen Frühstücksraum, schlürfe meinen Pfefferminztee und esse leckere Brötchen. Die Herrschaften vom Nachbartisch berichten, dass sie gestern um 10.15 Uhr eine geschlagene Stunde am Zugspitzbahnhof gewartet haben, um eine Fahrkarte zu kaufen. Das möchte ich vermeiden und nehme kurzentschlossen meine Beine und ein Brötchen als Stärkung in die Hand. Ich will um 9:15 Uhr losfahren. Ich hetze durch die Stadt, begebe mich zum Zugspitzbahnhof, bewege mich zum Fahrkartenschalter und sehe: gähnende Leere. Kein Mensch da, ich kaufe ohne Verzögerung meine Fahrkarte.

Die Zugspitzbahn fährt bis zum Zugspitzplatt unmittelbar vor dem Gipfel und ist die Alternative für Menschen mit Seilbahn-Aversion wie mich. Das letzte Stück bis zum Gipfel muss dann mit der Seilbahn bewältigt werden. Doch ich beschließe schon im Voraus, darauf zu verzichten und festen Boden unter den Füßen zu behalten.

Die Fahrt verläuft bis Grainau relativ unspektakulär, dann beginnt der steilere Teil der Strecke. Die Zahnradbahn ruckelt gewaltig, das Tempo wird langsamer und die Landschaft karger. Die Zugspitze rückt näher. Der Ausblick auf den Eibsee oder die umliegenden Berge ist gigantisch. Es geht teilweise nur sehr langsam vorwärts, die zu bewältigenden Höhenunterschiede werden so greifbarer. In der Station Riffelriß steigen wagemutige Wanderer aus, um von dort auf den Gipfel zu klettern. Die große Mehrheit bleibt sitzen.

Die letzte halbe Stunde der Fahrt führt durch einen Tunnel. Hier sieht man schwarz, allerdings erhellt die Hoffnung auf die baldige Ankunft das Gemüt. Diese Teilstrecke vergeht wie im Flug, das abgespielte Infovideo verkürzt die Zeit. Zugspitzplatt – Die Bahn erreicht in diesem unterirdischen Bahnhof ihr Ziel. Ich steige aus und bin gespannt, was mich erwartet.

Die Sonne scheint und macht die Jacke überflüssig: T-Shirt Wetter in luftiger Höhe. Ich spaziere auf dem Plateau, atme die klare Luft ein und genieße die malerische Aussicht. Der Boden ist steinig, aber angenehm begehbar. Der Zugspitzgipfel befindet sich in einer Nebelschwade. So fällt es etwas leichter, auf die Seilbahnfahrt dorthin zu verzichten. Es liegt nur noch sehr vereinzelt Schnee. An diesem Freitag stelle ich fest, dass der Gletscher keine  große Zukunft mehr hat. Mit den Jahren hat sich die Fläche stark reduziert und mittlerweile sind deutlich mehr Steine als Schnee zu sehen. Der übrig gebliebene Schnee kann allerdings zum Rodeln genutzt werden. Einfach einen bereitgestellten Plastikbob greifen und den Hügel hinabfahren. Das erfreut Groß und Klein. Ich drehe eine weitere Runde auf dem Plateau und bewundere die Wanderer, die zu Fuß auf den Gipfel steigen. Es sieht nicht so schwer aus, wie es sich tatsächlich darstellt. Die Steigung geht wohl gewaltig in die Beine und die relativ kurze Strecke dauert etwa 90 Minuten. Darauf verzichte ich heute. Ich kaufe einige Souvenirs und begebe mich auf die Rückfahrt.

Blick auf die Zugspitze
Rodlen Zugspitzplatt
Zugspitzplatt
Zugspitzplatt Lift im Sommer

Ich steige am Eibsee aus, um eine Runde um den See zu wandern. Der See ist sehr schön. Klares Wasser, eine tolle Landschaft und zahlreiche Inseln sorgen für ein stimmiges Gesamtbild. Der Rundweg führt unmittelbar am Seeufer entlang und dauert etwa 2 Stunden. Das Wasser ist so sauber, dass man bis auf den Grund gucken kann. Ich gehe zum Ufer und schaue ins Wasser. Still ruht der See. Aber nicht lange. Da ertönt ein spitzer Schrei:“Eine Schlange!“ Doch die Aufregung legt sich schnell, das kleine Tier macht bei näherem Hinsehen eher einen unbeholfenen als gefährlichen Eindruck und schwimmt gemütlich durch das schöne Wasser. Der Rest der Wanderung verläuft ruhig, außer der herrlichen Landschaft sorgt nichts für Herzklopfen.

Zugspitz Seilbahn Eibsee
Klares Wasser im Eibsee
Blick auf den Eibsee
Insel im Eibsee

Abends gehe ich nochmal ins Alpspitzbad, um die müden Beine im warmen Becken zu entspannen. Vorher kaufe ich im örtlichen Supermarkt ein. Viele einheimische und biologisch unbedenkliche Produkte sind hier zu finden. Die Preise bewegen sich auf moderatem Niveau. Auch hier erlebe ich eine Überraschung, die mit einer Schlange zu tun hat. In der Warteschlange hinter mir entdecke ich eine sehr prominente Garmisch-Partenkirchenerin, die früher mit einem Gewehr auf Skiern unterwegs war. Mein erster Promi in dieser Woche. Im Alpspitzbad herrscht eine ruhige Atmosphäre, es sind kaum Besucher da und ich kann in Ruhe ein paar Bahnen schwimmen. Das warme Ruhebecken entspannt mich sehr, die Beinmuskulatur wird gleich viel lockerer und ich kann anschließend gut schlafen.

31.8.2019

Heute endet mein Urlaub. Ich frühstücke in Ruhe und gehe dann durch die Fußgängerzone zum Bahnhof. Ein letztes Mal bewundere ich die schönen Geschäfte mit ihren farbenfrohen Fassaden. Am Bahnhof sehe ich wieder einen Prominenten. Der zwar eine Sonnenbrille trägt, aber keine Leberkässemmel in der Hand hält. Der TV-Kommissar ist inkognito unterwegs, bleibt aber nicht unerkannt.

Der Zug nach München ist relativ voll, wie fast immer in den letzten Tagen scheint die Sonne. In München stärke ich mich und steige in den nur mäßig besetzten ICE nach Hannover. Kein Gedränge, kein Junge und kein (Thomas) Mann. Die Fahrt verläuft ruhig. Nur eine junge Mutter hat Stress, ihr kleiner Sohn möchte im Zugabteil hin- und hergehen. Seine Schritte sind noch relativ wacklig und er läuft stets Gefahr auf die Nase zu fallen. Seine Mutter hält Händchen und wirkt zunehmend genervt. Doch nach einigen Gehversuchen entspannen sich die Gesichtszüge. Die Schritte des kleinen Mannes werden sicherer. Er strahlt. Bald kann er wandern wie ein Großer. Vielleicht in Garmisch-Partenkirchen, es gibt dort viel Schönes zu sehen.